Warum "Never change a running system" keine gute Empfehlung ist

  • Einleitung
    Der Satz "Never change a running system" ist eine IT-Weisheit, die ich oft in meinem IT Umfeld höre. Kleiner Fun fact: Im englischsprachigen Raum kennt den Spruch kaum jemand. Dort heißt es eher: “If it ain’t broke, don’t fix it.” Klingt ähnlich, meint aber eigentlich auch nicht das, was viele daraus interpretieren.

    In der Praxis wird damit oft begründet, warum Systeme keine Patches oder Updates bekommen sollten: "Läuft doch alles". Oder?
    Klar - bis zur nächsten Sicherheitslücke, die gerade aktiv ausgenutzt wird. Denn genau dafür gibt’s Patches: weil im Code Fehler oder gefährliche Sicherheitslücken gefunden wurden. Und die sind dann vorhanden, ob du sie schon bemerkt hast oder nicht.

    Was wirklich gemeint ist
    Wenn überhaupt, dann sollte der Spruch heißen: "Verändere ein System nicht genau dann, wenn’s gerade kritisch gebraucht wird." oder wenn es aus Sicherheitsgründen nicht notwendig ist. Und das ergibt auch Sinn. Wer mitten im Livebetrieb Updates einspielt - ohne Tests, Backup oder Plan - riskiert nicht nur das System, sondern auch den Geschäftsbetrieb.

    Also lieber: Wartungsfenster festlegen, Updates vorher testen, idealweise in einer Sandbox wie in einer VM, eigene Container oder Testumgebungen. Und dann sauber einspielen. So einfach ist das.

    Es gibt Ausnahmen - zum Beispiel in der Musikproduktion
    Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn man mit Musiksoftware, Audio-Interfaces oder Plugins arbeitet. Da kann ein Update - vor allem ein neues Betriebssystem - ziemlich schnell das komplette Setup zerschießen. Viele Hersteller brauchen Monate, bis sie Kompatibilität mit neuen macOS- oder Windows-Versionen garantieren können.

    Wer professionell Musik produziert, kennt das: Lieber mal ein halbes Jahr beim alten OS bleiben, statt nach dem Update plötzlich ohne funktionierende Plugins dazustehen und damit die eigene, vielleicht sogar terminierte, Produktion zu gefährden.

    So handhabe ich es auch: Updates von zum Beispiel macOS spiele ich oft erst nach einem halben Jahr ein. Manchmal schon etwas früher, wenn ich zum Beispiel für ein großes Software Unternehmen im Musikbereich deren Beta-Version deren Musiksoftware auf dem neuen OS teste. Dann allerdings nicht auf meinem Produktivsystem, sondern ich installiere das neue OS auf einer externen Festplatte. An der Stelle ist eine VM kontraproduktiv, da es bei einer derartigen Software auf jede ms an Latenzreduktion ankommt und somit nur eine Bare-Metal Installation in Frage kommt.

    Auch Entwickler müssen abwägen
    In der Softwareentwicklung ist Patchmanagement zwar wichtig - aber auch hier gilt: Nicht jedes Update ist gleich ein Gewinn. Neue Versionen von Libraries, Frameworks oder Toolchains können Abhängigkeiten zerschießen, zu Inkompatibilitäten führen oder einfach mehr Probleme schaffen, als sie lösen.

    Das heißt nicht, dass man gar nicht updaten sollte - im Gegenteil. Aber: Testen, testen, testen. Automatisierte Tests, CI/CD-Pipelines, Tools wie Renovate helfen dabei, verfügbare Updates für Abhängigkeiten automatisch zu erkennen und in Form von Pull/Merge Requests bereitzustellen, Docker-Container oder VMs sind da die besten Freunde. Wer das sauber aufsetzt, kann auch Updates zügig, aber mit Plan einführen. Beim Einsatz von Renovate in Kombination mit einem CI/CD System wie Gitlab oder Github erstellt Renovate Merge-Requests / Pull-Requessts, womit man gezielt die Changelogs der Abhängigkeiten auf zum Beispiel "Breaking Changes" vorab prüfen und entscheiden kann, ob hier eine Aktualisierung problemlos möglich ist.

    Fazit
    „Never change a running system“ ist kein Freifahrtschein für Stillstand. Systeme müssen gepflegt werden - und dazu gehören Updates nun mal dazu. Nur eben nicht kopflos. Die richtige Devise lautet also eher:

    "Change it - but test it first."

    Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und gerne auch auf eine konstruktive Diskussion.:)

    Meine IT

    Tonstudio / Software Entwicklung / Gaming: MacBook Pro M1 (8-Core GPU, 1 TB SSD, 16 GB RAM)
    Software Entwicklung (Beruflich): MacBook Air M1 (7-Core GPU, 512 GB SSD, 16 GB RAM)
    Retro-Gaming: Windows 10 Pro mit DosBox-X (intel Core2Duo G640, 2x 500GB HDD, 8 GB RAM)
    Linux Kiste: CatchyOS 24.12 (intel DualCore G3250, 1 TB HDD, 8 GB RAM)
    C64 II (1x 1541 II Floppy, 1x SD2IEC+ Floppy Emulator, 2x ArcadeR Joysticks)
    NAS: QNAP TS-233 mit 2x 4TB HDD (Seagate IronWolf)

    Edited once, last by CrashOverride (May 28, 2025 at 7:51 AM).

  • Für mich als rein privater laienhafter Anwender und aus meiner Erfahrung heraus, ich bin da eher skeptisch.
    Ich habe da ein paar Bekannte, wenn ich bedenke, wie oft die sich ihre Programme oder ganze Systeme zerschießen. Sich aber schon allein dieses Windows BS nicht lange von einem automatischen Update abhalten lässt. Leute ihren Rechner starten und dann uU Minutenlang davor sitzen und mehr oder weniger Handlungsunfähigkeit genießen dürfen.
    Sicherheit am eigenen Computer fängt bei nicht erst beim BS oder den Apps/Programmen an, die fängt beim Benutzer an. Wer sich überall unghemmt und ungeschützt im Netz rumtreibt, ohne nachzudenken, jede Email öffnet, jeden Link bedenkenlos anklickt. Dem wird kein Virenscanner, aktuelle Programmversionen oder ein grad eben aktualisiertes BS vor einem Schaden bewahren.

    Ich benutze meinen PC und Mac ohne jegliche Internet-Security-Voll-Virenscanner-Malewareschutz BlaBla. Ja, auch der Windows 11 PC ist frei von solchen Kram. Kann aber auch jegliche Zusagen, dass ich eine Millionen Spende bekomme, manchmal sind es auch nur 3500€, ignorieren. Mir macht auch die Drohung, dass meine Besuche von Pornoseiten all meinen Kontakten zugeschickt werden, wenn ich nicht in Krypto bezahle, keine Angst, auch wenn die Kamera nicht abgeklebt ist.
    Was ich sagen will, ein noch so sicheres Programm/Betriebssystem wird nichts nützen wenn man ohne Überlegung im Internet unterwegs ist.

    Das gilt genauso beim Umgang mit iPhone/iPad/Handy/Tablet/Laptop wenn man unterwegs ist, wer sich da in jedes freie Wlan einklingt, der muß sich nicht wundern.

    Grüße von Peter

    meine IT

    iMac 24" M1 8-Core GPU 256GB - 16GB Gigabit Ethernet blau
    iPhone 13 Pro, iPad Mini 5, iPad 9.Generation
    NAS Synology DS215j (2x4TB) + 1x4TB Backup, DS224+ (2x12TB) + 1x12TB Backup

  • Peter Layer-8 ist genau das Problem. Wenn ich nicht weiß was ich tue und unbedarft "wild" überall klicke weil da Irgendwas steht, kann dies zu einem instabilen System führen. Wie oft bekommt man Anrufe wie "XYZ geht nicht mehr. Da gab es ein Hinweisfenster und ich habe ok geklickt". "Was stand denn in den Hinweis?". "Keine Ahnung, Du bist der Fachmann" - Ja Danke! Ich sitze ja auch 24/7 vor Deinem Computer und weiß auch immer, was alle Programmierer der Welt für Meldungen in allen Programmen in allen Fällen hinterlegt haben.

    Bezüglich AntiViren-Software auf dem Mac:
    Ich nutze auch keine - allerdings nur aus dem Grund, weil ich absolut jede Software vermeide, die meine Performance beeinträchtigen kann.
    Solltest Du mal wieder eine E-Mail mit einem Windows-Virus bekommen, kann diese Deinen Rechner nicht schaden.
    Möglicherweise leitest Du diese E-Mail ungesehen weiter an einem Nutzer der Windows hat - und dann hat er das Vergnügen.
    Allerdings schützen Arbeitsschutzhandschuhe auch nicht vor Arbeit. ^^ Sprich: ich oder mein Unternehmen soll für den Schutz sorgen - und der Schutz fängt beim Endanwender und dessen Verständnis / Verhalten am Rechner an.

    Als Unternehmen kann man nicht oft genug die Endanwender Informieren und Schulungen geben.

    Ich treibe mich auch gerne mal im Darknet umher aber dann auch nur mit Schutz.

    Hoffentlich dann auch mindestens über VPN ;)

    Meine IT

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